Allgemeines
| Gaspar Sanz und die Barockgitarre |
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| Geschrieben von: Peer | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Samstag, 24. Januar 2009 um 01:24 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Gaspar Sanz Jeder klassische Gitarrist wird wohl früher oder später mit dem Canarios, Rujero oder Espanoleta auf Stücke von Gaspar Sanz stoßen. Wer aber war dieser Gaspar Sanz, über den man so wenig weiß und warum war er so wichtig für die Entwicklung der Gitarre? Schaut man sich die Rolle der Gitarre in Spanien vor Sanz an, stößt man automatisch auf das Buch Guitarra Española y Vandola (Lerida, Erstdruck vermutlich 1596) des katalanischen Arztes Joan Carles y Amat (1572-1642). Amat beschreibt dort die Art und Weise Lieder durch die Rasguado-Technik (nicht mit dem Rasguado des Flamenco verwechseln) zu begleiten, wobei nicht die zu greifenden Noten aufgezeichnet wurden, sondern ein Bezeichnungssystem für Akkorde verwendet wurde, dass sich in ähnlicher Weise später unter der Bezeichnung Alfabeto von Montesardo in Italien verbreitet.
Tabelle der Akkorde von Joan Carles y Amat
Amat teilte dabei die vierundzwanzig Akkorde in zwei Bereiche, die er mit den Buchstaben N und B bezeichnete. Damit wurde für die jeweils zwölf Dur- und Mollakkorde obiger Akkordkreis erstellt, bei dem interessanterweise die Dur-Akkorde schon in der Reihenfolge des Quintenzirkels angeordnet sind. In z.B. dem Akkord N1 kann man, da die Griffweise angegeben ist, unschwer einen E-Dur Akkord und in B1 einen E-Moll Akkord erkennen, wenn man eine Stimmung voraussetzt, die den unteren fünf Saiten der heutigen Gitarre entspricht. Dabei wurden die beiden tiefsten Chöre doppelsaitig mit einer Bordunsaite und einer dünneren Saite im Oktavabstand versehen. Der zweite und dritte Chor wurde unisono gestimmt und mit dünnen Saiten bespannt, die untere Saite blieb häufig einzeln.
Stimmung von Amat mit Bordunsaiten
Das Punteado-Spiel (kontrapunktisches Melodiespiel), dass schon bei Mudarra und Fuenllana für die viersaitige Gitarre der Renaissance eine Hochblüte hatte, war vergessen. Das Instrument und seine Stimmung war auf das simple Golpeado-Spiel (Akkord-Spiel) zur Liedbegleitung ausgelegt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts betrat Gaspar Sanz als Francisco Bartolomé Sanz y Celma die Bühne. Laut Taufregister vom 4. April 1640 der Stadt
Titelbild von Instrucción de música sobre la guitarra española
Zuerst werden für den dritten Chor beide Saiten unisono gestimmt. Dann stimmt man den leeren fünften Chor nach dem im zweiten Bund gegriffenen dritten Chor. Der zweite Chor wird mit dem im zweiten Bund gegriffenen fünften Chor abgeglichen, anschließend der vierte Chor nach dem im dritten Bund gegriffenen zweiten Chor gestimmt. Zuletzt wird der erste Chor mit dem im zweiten Bund gegriffenen vierten Chor in Gleichklang gebracht.
Re-Entrante Stimmungnach Sanz
Dadurch erhält man die re-entrant genannte Stimmung, die für das stark verzierte Punteado-Spiel geeigneter war. Lange Zeit war das Vorhandensein der verschiedenen Stimmungen nicht präsent, sodass viele Transkribierungen durch falsche Voraussetzung zu unsinniger Stimmführung verleitet wurden. Weitere Probleme bei der Umsetzung auf heutige Instrumente ergeben sich durch die Nichtübertragbarkeit eines Rasguados von einem chörig bespannten Instrument, dass seine Spitze in der von Sanz eingesetzten Campanella-Technik findet (siehe Canarios unten, dritte Zeile, vierter Takt), bei der möglichst viele leer angeschlagenen Saiten in der re-entrant Stimmung einen glockenähnlichen Effekt hervorrufen.
Abecedario-Tabelle der üblichen Akkorde
Bezeichnend für die Entwicklung der Gitarre ist, dass Sanz die Bespannung mit dünnen Saiten auf die Art und Weise der "Meister in Rom" beschreibt. Umgekehrt deutet die Tatsache, dass das südamerikanische Instrument Charango auf die gleiche Weise gestimmt wird, auf die weitere Ausbreitung des Instrumentes während der spanischen Herrschaft in Südamerika hin. Sanz kann aber nicht als "Erfinder" der re-entranten Stimmung gelten, da schon Marin Mersenne diese Stimmung 1637 in seiner Harmonie Universelle angibt, also eine längere Entwicklung durch Gaspar Sanz nur seinen Höhpunkt fand. Musikalisch war Sanz eher Neuentdecker, als Entwickler des Gitarrespiels. Er ging kein Stück über den Stand hinaus, der schon in der Renaissance vorhanden war, hatte aber den Verdienst die spanische Musik seiner Zeit tradiert zu haben und das Fundament für die weitere Entwicklung der Guitarra espagñola gelegt zu haben. Häufig wird in den Tänzen, auf Grund der irregulären Rhythmen und zwölftaktigen Formen, schon der Grundstein für den Flamenco gesehen. Ergänzend muss noch gesagt werden, dass Sanz neben seiner musiklischen Tätigkeit auch literarisch als Übersetzer französischer Autoren und Verfasser einer Eloge über Papst Innozenz XI tätig war. Sanz starb vermutlich im Jahre 1710 in Madrid.
Videos:
Barockgitarren aus der Zeit Gaspar Sanz'
Angel Romero spielt das Canarios mit Rasguado-Technik
Rob McKillop spielt die Fuga No.1 auf einer Barockgitarre
Anhang:
Das Buch Instrucción de música sobre la guitarra española y métodos de sus primeros rudimentos hasta tañer con destreza (Unterricht der Musik auf der spanischen Gitarre und Methoden seiner Grundlagen, bis man es geschickt spiele) ist in drei Bücher unterteilt:
Libro Primero
Neben Informationen zur Spieltechnik, wird die oben beschriebene Stimmung und das Abecedario in zwei Tabellen beschrieben. Die erste Tabelle zeigt die üblichen Griffe, die zweite Tabelle gibt Beispiele für unübliche Akkorde. Da die tiefste Note nicht dem Grundton entsprechen musste, gab es für jeden Akkord viele Varianten. Es folgen einige Volks- und Hoftänze in Tabulatur, u.a. das berühmte Canarios. Zusätzlich wird die Gitarre als Continuo-Instrument im Zusammenspiel mit anderen Zupfinstrumenten erläutert.
Libro Segundo Informationen über Modes der spanischen Musik und Diagramme die die Handstellung beim Greifen der Abecedario-Akkorde zeigen. Viele traditionell spanische Tänze in Tabulatur, einige mit Campanellas.
Libro Tercero Passacalles in allen übliche Modes nach italienischer Tradition, die alle übliche Techniken enthalten. Vorbild und Grundlage für folgende Musiker.
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