Musikwissen
Das Flageolett (2): Die Schönheit der Beschränkungoder: Warum weniger manchmal mehr ist. Im ersten Teil wurde ein etwas genauerer Blick darauf gelenkt, wie Saiten eigentlich schwingen, nämlich nicht bloß einfach hin und her, sondern daß da genau genommen Wellen auf einer Saite stehen, die einer Reihe ebenso einfacher wie strenger Gesetzmäßigkeiten gehorchen. Diese Wellen können nur ganz bestimmte Zustände einnehmen, was im wesentlichen damit zu tun hat, daß die beiden Enden der Saite fest eingespannt sind. Die einzelnen Zustände von Wellen - wir wollen sie "Wellenzahlen" nennen, das ist anschaulicher - unterscheiden sich durch die Anzahl der Bäuche und Knoten der Wellen. Die Knoten einer möglichen, von der Natur erlaubten Wellenzahl teilen die Saite immer in ganzzahligen Brüchen, also 1/1 für die Grundschwingung, 1/2 für die erste Oberwelle, 1/3, 1/4 u.s.w.. Und wie gesagt: An den Enden der Saite befinden sich immer Knoten, weil die Saite da fest eingespannt ist. Dabei stehen die Frequenzen, mit der Wellenzahlen schwingen können, ihrerseits immer in ganzzahligen Verhältnissen zueinander, also das 1-fache für die Grundfrequenz, 2-fach für die erste Oberwelle, 3-fach, 4-fach u.s.w. Wer sich noch an die kleinen Filme mit dem Abschleppseil erinnert - man kann sich gut vorstellen, daß jemand das Seil bei so einem Knoten zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt, ohne die gerade angeregte Schwingung zu stören.
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