Allgemeines
| Von der anderen Saite her gesehen: Lange Finger ... |
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| Geschrieben von: iXea |
| Mittwoch, 21. Januar 2009 um 23:15 |
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Gitarristen – zumal jene mit dem Attribut ‚Virtuose’ – sind ja nun mal als gelenke Fingerakrobaten bekannt, die mit traumhafter Präzision in atemberaubender Geschwindigkeit ihren beiden Händen höchst unterschiedlich anmutende Aufgaben zuweisen, was einen ungeübten Zuhörer schon mal die Augen schließen lässt, um sich wenigstens allen Einzeltönen widmen zu können. Da stellt sich schon mal die Frage nach den Grundlagen für eine solche Begabung – liegt’s an den Genen, braucht’s nur entsprechend effektives Training, oder … ist’s allein die Länge der Finger, die dazu befähigen?
Nun gibt es ja vielerlei mehr oder weniger wissenschaftlich fundierte Untersuchungen zum Thema Hände und Finger. Offensichtlich lässt sich alles aus den Händen lesen, nicht nur vage Deutungen der Zukunft in schummrigen Jahrmarktzelten, wie es die Kunst der Chiromantik verheißt. Wissenschaftler fanden heraus, dass man männliche Hände (der Ringfinger ist länger als der Zeigefinger) von weiblichen (Ring- und Zeigefinger sind etwa gleich lang) unterscheiden kann, so ergibt es die Statistik. Grund ist die Hormonkonzentration im Mutterleib: Testosteron und Androgene lassen den Zeigefinger nicht wachsen. Nun schließen sich weitere wissenschaftliche Fakultäten an, dieses Feld näher zu untersuchen, vor allem die Psychologen scheinen auf endlich mal äußerlich erkennbare, einfach nachmessbare Eigenschaften nur gewartet zu haben. So kam eine Studie der Universität Liverpool 2001 zu der Erkenntnis, "Frauen mit männlich geprägten Fingern wären durchsetzungsfähig und wenig kommunikativ", hingegen weisen solche mit gleich langen Ring- und Zeigefingern gegenteilige Charakterzüge auf und sind darüber hinaus auch noch sprachgewandt. Männliche Fingerproportionen bei Männern lassen auf gesteigerte körperliche Aggressivität schließen, weibliche zeugen eher von der Befähigung zu guten Wissenschaftlern sowie hoher Lesefähigkeit. O.k. es wurden britische Studenten untersucht und keine Gitarristen. Die Uni in Bath belegte 2007 in einer Untersuchung den Zusammenhang mathematischer Begabung und Testosteron im Mutterleib: je kürzer der Zeigefinger, desto rechenbegabter das Kind. Die Langfinger waren eher Kandidaten für eine Schriftstellerkarriere. Sicher ist die Fingerlänge nur ein Indikator für solche Zusammenhänge, schließlich geben die Studien nur einen Durchschnitt wieder, aber die gefolgerten Schlüsse muten an wie die Weisheiten aus Urgroßmutters Zeiten. Die Paradeklischees der Geschlechter als zwingende Konsequenz der hormonellen Ursuppe? Immerhin gibt es noch die Erkenntnisse der Medizin, wonach die Geschlechtshormone sehr wohl eine Auswirkung auf die Entwicklung des Gehirns haben. Durch Testosteron entwickelt sich die rechte Hirnhälfte stärker, quasi auf Kosten der linken. Ganz klar werden so hohe musikalische Fähigkeiten gefördert, das Lesevermögen hingegen eingeschränkt. Wenn also beim nächsten Konzert auffällt, dass der oder die Gitarrist/in den Kopf schräg nach rechts hält (schwere Hirnhälfte), keine Noten auflegt (eingeschränktes Lesevermögen), ohne Ansage loslegt (Kommunikationsdefizite), aufgrund des zu kurzen Zeigefingers das Tremolo verpatzt und wütend den Fußschemel wegkickt (gesteigerte Aggressivität) – dann ist das nur ein ganz normaler, durchschnittlicher Auftritt einer/s testosterontriefenden Vertreters/in der Gattung hoher musikalischer Begabung.
Quelle: "Die Welt" |
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