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Auf Tárregas Spuren: Museo de la Ciutat in Villareal E-Mail
Geschrieben von: iXea   
Freitag, 26. Dezember 2008 um 00:04

 

Spanienurlaub etwas anders: Exkursion in die Biographie Francisco Tárregas

Ich bin ja bekennender Fan spanischer Gitarrenromantik, was also liegt näher, einen Spanienurlaub dahingehend zu modifizieren, dieser Leidenschaft etwas Nahrung zuzuführen ...


Schild
Im August 2006 war ich mit  Frau und Tochter in Spanien unterwegs, die Reise führte von Madrid durch Kastilien (Toledo, Avila, Salamanca, Burgos ...) unter gezielter Umfahrung von Segovia zur Costa Brava. Unsere Reise war so eine Mischung aus Städte-Sightseeing mit eingeschobenen Tapa-Pausen und eher wenigen Badeeinlagen. Also Rundfahrt ohne Reiseleitung und Halbpension mit vor Ort zu findenden Unterkünften.
Schon auf dem Hinflug und immer wenn unterwegs möglich schmökerte ich Wolf Mosers „Francisco Tárrega - Werden und Wirkung“, die ich hiermit jedem Gitarrenfreund empfehlen möchte; Moser geht hier sehr weit über eine normale Biographie hinaus und zeichnet die Epoche am Ende des 19. Jahrhunderts, die Musik, das Publikum, die Künstler eindrucksvoll nach.

 

   

Ohne jetzt hier eine Inhaltsangabe zu diesem Buch versuchen zu wollen, haben mich einige Zusammenhänge doch nachhaltig bewegt. Tárrega war zeitlebens immer in der Situation des bescheidenen Künstlers, der auf seine Disziplin fixiert ist. Lehr- und Komponistentätigkeit waren nicht der Kern seines Wirkens, zumindest nicht zu Beginn seiner Karriere. Er verstand sich als Interpret und gab Konzerte. Sein Gitarrenspiel war für seine Zeit revolutionär, und leider sind uns keine Aufnahmen überliefert. Doch sicher ist glaubhaft, dass Tárrega als Interpret auch heutigen Meistern mindestens ebenbürtig wäre. Sein Talent ermöglichte es ihm, auch Werke der Gitarre zuzuführen, die bis dato anderen Instrumenten vorbehalten waren, und viele seine Transkriptionen sind auch heute noch relevant.
Tárrega war in keiner Weise auf ein Leben als 'Star' eingestellt. Ihm fehlte das unternehmerische Geschick, und seine zurückhaltende, bescheidene Art wurde von einigen seiner Zeitgenossen ausgenutzt. Sein uns heute bekannter musikalischer Nachlass ist nur ein Fragment seiner wirklichen Schaffenskraft. Viele Manuskripte sind verloren; auch hat er selbst viel zur Verwirrung beigetragen, indem er gleiche Stücke unterschiedlich benannte bzw. unterschiedlichen Stücken gleiche Namen gab. Auch bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass keines seiner Stücke 'endgültig' ist; er selbst hat sie immer wieder variiert und mit Präludien kombiniert.
Büste
Am 10. August machte ich mich von Peniscola aus auf den Weg nach Villareal (katalanisch: Vilareal), seinem Geburtsort. Ich kannte nur die Fakten aus der Biografie, dass er dort geboren wurde und sein Grab (Exhumierung 6 Jahre nach seinem Tod) dorthin verlegt wurde. Die Existenz eines 'Museums' hatte ich nach vagen Hinweisen in einer CD nur vermutet, also hatte ich einen Ausflug geplant. Mein Navigationsgerät wies eine „Avingida Francisco Tárrega“ aus, also war dies erst einmal mein Ziel in Villareal. Nachdem ich mehrmals diese Hauptstraße durchfahren hatte, ohne irgendwelche Hinweise zu sehen, versuchte ich mein Glück am Bahnhof, in der Hoffnung, dort gäbe es Stadtplan oder eine Information. Das sonst allgegenwärtige (i) für die Touristeninformation findet man nicht in Villareal, und der Bahnhof bietet nichts außer Tickets. Mein Spanisch ist fast gleich null, ebenso das Englisch der dortigen Bewohner ... also parkte ich und zog zu Fuß durch die „Innenstadt“. Eine fußgängerzonenartige Gasse versprach etwas Zentrum, und so kam ich unvermutet an eine nette Großkeramik, die sich als Stadtplan - der einzige überhaupt - herausstellte. Die sonst ergiebige Recherche in Läden mit Postkarten, auf denen die Sehenswürdigkeiten übersichtlich ausgestellt werden, ist auch völlige Fehlanzeige, denn es gibt keinen Fremdenverkehr dort. Nicht einmal ein Hotel war zu finden, um an der Rezeption fragen zu können.
Die Gebrauchskunst an einer Aufweitung der besagten Zone wies immerhin einige wichtige Gebäude der Stadt aus, aber nirgends war etwas von Tárrega zu sehen, lediglich ein Eintrag „Museo“ ohne weitere Hinweise war abgebildet. Ich prägte mir die ungefähre Lage ein und ging in diese Richtung.
Immerhin kam ich auf diesem Weg schon an einem ersten 'Lebenszeichen' des Meisters vorbei, eine Büste an einem kleinen Platz. Kurz darauf fand sich ein großer Platz mit Park und Kirche, und nicht weit dahinter stand ganz unscheinbar das „Museo de la Ciutat“, also das Stadtmuseum, untergebracht im „Casa de Polo“ an der Carrer Arago. Mit meiner Suche hatte ich schon eine gute Stunde vertrödelt, und als ich um kurz vor 12 dort ankam, war ich aufgrund der Öffnungszeiten etwas beruhigt:
Geöffnet 10-13 und 17-20 Uhr, Eintritt frei
Nach dem Betreten - es war eine Mitarbeiterin des Museums zugegen - konnte ich feststellen, dass ich der einzige Besucher im Hause war. Die Ausstellung beinhaltet hauptsächlich Gemälde diverser Richtungen.

Museumsgebäude

Keine Hinweise, nur Beschriftungen in 2 Sprachen: spanisch und katalanisch. Doch dann im 2. Obergeschoß: Teile des Nachlasses von Francisco Tárrega! Bilder, Fotos, Urkunden, Briefe, persönliche Gegenstände ... ein Klavier

 

 

Ausstellung_1 Ausstellung_2

Die Ausstellung: Tárregas Klavier, Vitrinen mit Original-Manuskripten, Briefen ... viele Bilder ...

... und Tárregas Gitarre!

Gitarre_1

Gitarre_2

Gitarren_Details

 

...es ist nicht die berühmte Torres, die er 1869 (mit 17 Jahren!) bekam ...

Die wenigen Gegenstände aus dem Nachlass von Francisco Tárrega waren die Reise nach Villareal schon wert (im Bild unten eins der vielen Original-Manuskripte).

Manuskript Etwas traurig stimmt, dass in der Stadt - außer der Benennung der Hauptstraße - nichts auf den berühmten Sohn hinweist. Sicher, da gibt es die Büsten und Tafeln (auf dem Bild ist das Geburtshaus zu sehen), doch kein Reiseführer, kein Plakat, kein Hinweis auf die Hinterlassenschaft. Auch die sicher gelungene Präsentation steht doch 'ganz hinten', und sicher verirren sich nur die Fans in diese Räume. 

 

 

Statue
Auch in den sortierten Klassik-Plattenläden findet sich in Madrid und Barcelona kein Reiter namens 'Tárrega', und in den Buchläden findet sich auch kein ihm gewidmetes Werk. 
Einzig im Museum gibt es einen ausführlichen Katalog mit der kompletten grafischen Hinterlassenschaft, leider aber nur in spanischer Sprache. So endet mein Bericht etwas wehmütig mit zwar schönen Erinnerungen, eindrucksvollen Exponaten, aber auch mit der Einsicht, dass die Präsenz von Francisco Tárrega nur in den Herzen seiner wenigen Freunde und Bewunderer existiert. Das hat sich auch zu seinen Lebzeiten nicht anders ergeben.
 

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